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Münchhausen reitet auf einer Kanonenkugel durch die Luft
Wir belagerten nähmlich ich weiß nicht mehr welche Stadt und dem Feldmarschall war ganz erstaunlich viel von genauer Kundschaft gelegen, wie die Sachen in der Festung stünden. Es schien äußerst schwer ja fast unmöglich durch alle Vorposten Wachen und Festungswerke hinein zu gelangen. Auch war oben kein tüchtiges Subject vorhanden, wodurch man so etwas glücklich auszurichten hätte hoffen können. Vor Mut und Diensteifer fast ein wenig allzu rasch, stellte ich mich neben eine der größten Kanonen, die so eben nach der Festung abgefeuert ward und sprang im Hui auf die Kugel in der Absicht mich in die Festung hinein tragen zu lassen. Als ich aber halbweges durch die Luft geritten war, stiegen mir allerlei nicht unerhebliche Bedenklichkeiten zu Kopfe. Hum dachte ich hinein kommst du nun wohl allein, wie hernach sogleich wieder heraus? Und wie kann's dir in der Festung ergehen. Man wird dich sogleich als einen Spion erkennen und an den nächsten Galgen hängen. Ein solches Bett der Ehren wollte ich mir denn doch wohl verbitten. Nach diesen und ähnlichen Betrachtungen entschloß ich mich kurz, nahm die glückliche Gelegenheit wahr, als eine Kanonenkugel aus der Festung einige Schritte weit vor mir vorüber nach unserm Lager flog, sprang von der meinigen auf diese hin. Ich kam zwar unverrichterter Sache, jedoch wohlbehalten bei den lieben Unserigen wieder an.
Sämmtliche Werke: Prosaische Werke ; [1], Wunderbare Reisen zu Wasser und Lande, Feldzüge und lustige Abenteuer, Band 6 Autoren: Gottfried August Bürger, Karl Friedrich Hieronymus von Münchhausen, Karl Reinhard, Rudolf Erich Raspe Veröffentlicht 1813
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