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Alte Sage:
Die weiße Frau zu Detmold
Auf den meisten Edelhöfen im Lippischen, namentlich aber auf dem Schloße zu Detmold, läßt sich zu Zeiten eine weiße Frau sehen, und zwar sagt man, daß die in Detmold eine lippesche Gräfin sei, welche sich gewünscht, an allem Leid und aller Freude ihrer Familie ewig teil nehmen zu können und deshalb noch immer umgeht, sobald in der fürstlichen Familie eine Geburt oder ein Todesfall stattfindet. Tritt letzterer ein, so erscheint sie in grauer Kleidung, und besonders hat man sie von der Kanzlei nach dem Schloß oft hinübergehen sehen, sodaß der Posten dort nicht gern auf der Wacht zu stehen pflegt; denn wer sie sieht, muß ihr seine Reverenz machen und die Schildwacht muß das Gewehr präsentieren, und wenn das einer etwa vergißt, oder sich gar neugierig nach ihr umsieht, so empfängt er einen so heftigen Schlag, daß er nach keinem zweiten verlangt
Autor: Adalbert Kuhn Sagen - Gebräuche und Märchen aus Westfalen und einigen andern, besonders den angrenzenden Gegenden Norddeutschlands
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Das ist der Teutoburger Wald, Heinrich Heine aus neue Gedichte
Das ist der Teutoburger Wald, Den Tacitus beschrieben, Das ist der klassische Morast, Wo Varus stecken geblieben.
Hier schlug ihn der Cheruskerfürst, Der Hermann, der edle Recke; Die deutsche Nationalität, Die siegte in diesem Drecke. Wenn Hermann nicht die Schlacht gewann, Mit seinen blonden Horden, So gab' es deutsche Freiheit nicht mehr, Wir wären römisch geworden!
In unserem Vaterland herrschten jetzt Nur römische Sprache und Sitten, Vesialen gäb' es in München sogar, Die Schwaben hießen Quinten!
Der Hengstenberg war' ein Haruspex Und grübelte in den Gedärmen Von Ochsen. Neander war' ein Augur, Und schaute nach Vögelschwärmen.
Birch- Pfeifer söffe Terpentin, Wie einst' die römischen Damen. (Man sagt, daß sie dadurch den Urin Besonders wohlriechend bekamen.) Der Raumer wäre kein deutscher Lump, Er wäre ein römischer Lumpazius. Der Freiligrath dichtete ohne Reim, Wie weiland Flaccus Horazius. Der grobe Bettler, Vater Jahn, Der hieße jetzt Grobianus, Me hercule! Maßmann spräche Latein, Der Marcus Tullius Maßmanus!
Die Wahrheitsfreunde würden jetzt Mit Löwen, Hyänen, Schakalen, Sich raufen in der Arena, anstatt Mit Hunden in kleinen Journalen.
Wir hätten einen Nero jetzt Statt Landesväter drei Dutzend. Wir schnitten uns die Adern auf, Den Schergen der Knechtschaft trutzend.
Der Schelling wär ganz ein Seneka, Und käme in solchem Conflikt um. Zu unsrem Cornelius sagten wir: Cacatum non est pictum.
Gottlob! Der Hermann gewann die Schlacht, Die Römer wurden vertrieben, Varus mit seinen Legionen erlag, Und wir sind Deutsche geblieben!
Wir blieben deutsch, wir sprechen Deutsch, Wie wir es gesprochen haben; Der Esel heißt Esel, nicht asinus, Die Schwaben blieben Schwaben.
Der Raumer blieb ein deutscher Lump Und kriegt den Adlerorden. In Reimen dichtet Freiligrath, Ist kein Horaz geworden.
Gottlob, der Mastmann spricht kein Latein, Birch'Pfeifser schreibt nur Dramen, Und säuft nicht schnöden Terpentin Wie Roms galante Damen.
O Hennann, dir verdanken wir das! Drum wird dir, wie sich gebühret, Zu Detmold ein Monument gesetzt; Hab' selber subskribieret.
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