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Der Silberbachschatz
Einst streifte ein Vagabund durch das Silberbachtal. Ein Holzsammler, der ihn sah, witterte instinktiv Gefahr. So lief er schnell nach Haus. Seine Angetraute schüttelte gerade die Betten am Fenster aus.
„Da ist ein Mann am Wildbach, Frau! Der sieht unheimlich aus, ganz wild und zerzaust. Er führt nichts Gutes im Schilde, dass fühle ich ganz genau.“
Sein Weib sah ihn gar zweifelnd an.
„Sag, hast du wieder einen gepischelt, Mann!“ schimpfte sie dann.
Er sah ihr offen ins Gesicht.
„Ehrlich Frau, keinen Humpen Bier und auch ein Schnäpschen nicht! Ich schwöre dir, bei dem da oben, gesehen habe ich diese Gestalt. Mitten im Wald ging sie suchend am Bach entlang. Mir war bei diesem Anblick ganz bang!“
Sie seufzte schwer. Ihr Mann, so stark wie ein Bär und fürchtete sich so sehr. Dass verstand sie wirklich nicht mehr.
„Wir werden gemeinsam zu dieser Stelle gehen, ich möchte den Kerl mit eigenen Augen sehen!“ sprach sie und trat vom Fenster weg.
Wenig später kamen sie dann an eben jener Stelle an, an welcher die unheimliche Gestalt kürzlich noch gewesen war. Sie liefen leise, hinter Büschen verborgen, den Bachlauf entlang. Ab und an blieben sie stehen, lauschten und versuchten durch die Büsche zu spähen. Doch von einem Landstreicher war weit und breit nichts zu sehen. Die Frau war ungehalten, schimpfte einen Spinner, einen Saufbold ihren Mann. Dieser war davon gar nicht angetan, denn er hatte ihn höchstpersönlich gesehen, den unheimlichen Mann. Und tatsächlich, ganz plötzlich, knackte es unweit im Unterholz, der Fremde kam in Sicht. Das Paar nahm Deckung im Dickicht. Suchend und vor sich hin fluchend schlich der fremde Mann am Bach entlang. Auf einmal ging er in die Hocke und starre in den Bach hinein, etwas glitzerte geheimnisvoll im Sonnenschein.
„Der Schatz, ich habe ihn gefunden! Nun endlich ist er mein!“ fing er vor Freude an zu schreien, zog seine Schuhe aus und sprang in tosenden Bach hinein. Eine Weile war der Mann verschwunden. Dann tauchte er auf, denn er hatte gefunden, was er sein Eigen nannte.
„Mein Schatz!“ rief er zufrieden aus.
Dem Ehepaar fielen vor Staunen bald die Augen heraus. Sie starrten gebannt auf den Silberschatz in dessen Hand. Auf einmal, es geschah just in diesem Augenblick als der Landstreicher mit dem Schatz an Land watete zurück, bäumte sich das Wasser auf. Eine mächtige Welle riss ihm den Silberklumpen aus dem Arm. Ringsum wurde es augenblicklich hell und warm, alles ward in Silberglanz getaucht. Das Bachwasser, der Wald, dass ganze Tal auch. Der Vagabund schrie vor Pein und erstarrte auf der Stelle zu Stein. Noch heute liegt dieser im Silberbach.
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